Scheitern und Scham

Warum Menschen sich nach Niederlagen isolieren

Scheitern tut weh, klar. Aber noch schlimmer ist das Gefühl, das damit einhergehen kann: Scham. Statt Unterstützung zu suchen, ziehen sich viele Menschen zurück. Hier sind sieben Mechanismen, die Scham und Isolation verstärken – und Anregungen, wie sich dieses Muster durchbrechen lässt.

  1. Scham greift unser Selbstbild an
    Scheitern kann das Selbstbild ins Wanken bringen: „Ich bin nicht gut genug!“ „Ich habe versagt!“. Aus Angst vor Spott und Häme ziehen sich viele Menschen zurück.
    Machen Sie sich bewusst, dass einfach jeder Mensch versagen kann. Und niemand bewertet sich so schlecht, wie Sie selbst es tun. Gönnen Sie sich eine Auszeit zur Reflexion und hören Sie auf, sich selbst immer wieder abzuwerten.
     
  2. Scham verstärkt unser Gedankenkarusell
    Der Rückzug fühlt sich zunächst wie Selbstschutz an, doch er macht die Situation oft schlimmer. Allein mit seinen Gedanken dreht man sich im Kreis – und die Scham wächst weiter.
    Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson. Laut ausgesprochen wirkt alles oft schon viel weniger schlimm.
     
  3. Scham lässt uns glauben, dass wir uns nicht zumuten können
    Scham kann das Gefühl erzeugen, dass wir mit unseren Problemen, Emotionen oder Bedürfnissen anderen zur Last fallen. „Ich will niemanden mit meinen Problemen nerven“ – viele denken so. Wer sich jedoch öffnet, ermöglicht anderen, sich verbunden zu fühlen und Mitgefühl zu zeigen.
    Würden Sie selbst für einen Freund da sein? Dann erlauben Sie es auch anderen, für Sie da zu sein.
     
  4. Scham verhindert, dass wir auf andere zugehen
    Die Angst vor Unverständnis sitzt tief – doch oft passiert genau das Gegenteil: Andere können sich in unserem Scheitern wiedererkennen und durchaus mit Verständnis reagieren.
    Geben Sie Ihrem Umfeld die Chance, für Sie da zu sein. Es wird Sie nicht so hart verurteilen, wie Sie befürchten. Bringen Sie auch Mitgefühl für sich selbst auf.
     
  5. Scham blockiert, dass wir aus Fehlern lernen
    Solange wir uns schämen, bleiben wir im „Fluchtmodus“. Unser Gehirn interpretiert das Erlebnis als Bedrohung – fast so, als wären wir physisch in Gefahr. Dann neigen wir dazu, uns zurückzuziehen, zu verdrängen oder uns abzulenken. Doch ohne Reflexion bleibt uns die Chance auf Erkenntnis verwehrt.
    Fragen Sie sich: Was kann ich aus dieser Scheitererfahrung mitnehmen? Was würde ich zukünftig anders machen? So wird das Erlebte zum Wachstumsimpuls.
     
  6. Scham macht uns glauben, dass nur andere auf der Sonnenseite stehen
    Erfolgreiche Menschen scheitern jedoch immer wieder – sie reden nur nicht darüber. Wer glaubt, dass andere immer alles im Griff haben, fühlt sich umso unzulänglicher.
    Sehen Sie sich um: Fast jeder, den Sie bewundern, hat Rückschläge erlebt. Der Unterschied? Sie haben sich nicht davon aufhalten lassen.
     
  7. Angst vor der Scham macht den nächsten Schritt schwer
    Vielen fällt schwer, erneut aufzubrechen, weil sie befürchten, wieder zu scheitern. Diese Angst lähmt. Daher fühlt sich der notwendige nächste Schritt oft wie ein Sprung ins kalte Wasser an. Doch sobald Sie ins Tun kommen, verliert die Angst an Macht.
    Fangen Sie klein an: Sprechen Sie mit einer vertrauten Person oder holen Sie sich professionelle Unterstützung. Hauptsache, Sie bleiben nicht allein mit dem Gefühl der Niederlage.

Wie Sie aus dem Rückzug herausfinden

Scham ist nur ein Gefühl – kein Urteil über Ihren Wert als Mensch. Suchen Sie sich jetzt bewusst soziale Unterstützung, auch wenn es schwerfällt: Verbindungen helfen, negative Gedanken zu durchbrechen.

  • Erinnern Sie sich an Ihre Stärken. Notieren Sie, was Sie bereits alles gemeistert haben – und was noch möglich ist. Scheitern definiert Sie nicht!
  • Verändern Sie Ihre Perspektive: Sie würden anderen doch auch helfen und sie nicht für ihr Scheitern verurteilen. Seien Sie also auch mit sich selbst nachsichtig.
  • Machen Sie kleine Schritte aus der Isolation: Ein Gespräch, eine Nachricht, ein Treffen – jeder Kontakt kann helfen.
  • Niemand ist Ballast für andere, nur weil er kämpft oder Unterstützung braucht. Echtes Miteinander bedeutet, sich gegenseitig durch schwierige Phasen zu begleiten.
     
    Wer den Mut hat, sich zu zeigen, entdeckt oft, dass er nicht allein ist. Sehen Sie Ihr Scheitern als Erfahrung, als Zwischenstation, nicht als Endpunkt. Jeder Misserfolg enthält eine Lektion, die Sie weiterbringen kann. Und vor allem: Wer scheitert, verdient Anerkennung – weil er gehandelt hat!